Motorbike

Fangen wir mit dem Motorrad an. Ich habe schon längere Reisen mit meiner alten  Kawasaki ZRX 1100 gemacht, was kein großes Problem war,  selbst auf den bekannt grausamen Straßen in Connemara. Riesiger Elephant Boy auf den Tank und Packrolle auf den Sozius geschnallt nimmt Gepäck für 3 Wochen locker mit. Kawasaki ZRX 1100
Etwas schwieriger, speziell was das Gepäck betrifft, war schon die Nachfolgerin Honda VTR 1000 SP-1. Für lange Strecken grausam unbequem und viel zu unpraktisch. Als Tankruck  passte nur der mittlere Bagster einigermaßen und da ne Rolle sicher festzutüddeln war schon nicht so einfach. Als also feststand, daß nach Jahren der Hausstrecken-Raserei endlich mal wieder Reisen sein muß, fiel die Entscheidung die SP-1 zu verkaufen garnicht so schwer, auch wenn sie an sich ein wirklich wunderbare Wuchtbrumme ist.
Über meine aktuelle Möhre habe ich lange Jahre geschimpft. Häßlich ist sie, viel zu schwer, kann nix richtig, der Motor zu schlapp, unpersönlich und sowas fahren eh nur Zahnarzt-Sommer-Sonntag-Nachmittag-Fahrer. Alles Blödsinn. Muß ich inzwischen zugeben.

Ich brauchte etwas zu Reisen. Da ich in Zukunft auch endlich mal in den Nahen Osten und nach Afrika wollte, sollte es schon eine Reiseenduro sein; eine auf die man sich verlassen kann, für die es viel Reise-Zubehör gibt und die auch auf 6000km Landstraßen-Reisen den Rücken nicht komplett ruiniert. Tja, was soll ich sagen.. die Gummikuh ist halt die einzige vernünftige Alternative in meinen Augen. Honda VTR 1000 SP-1 Klar, ich habe auch sehr lange über Africa Twin nachgedacht, aber die Gute ist nunmal etwas untermotorisiert und, da sie nicht mehr hergestellt wird, auch auf dem absteigenen Ast. Ob des legendären Rufs der AT und der sagenhaften Langlebigkeit bewegen sich die Preise, selbst für ältere Modelle, in astronomischen Höhen. Eine weitere Alternative wäre die große KTM Adventure gewesen. Leider übersteigt sie etwas mein Budget und hat zudem auch nicht gerade den besten Ruf, was Langlebigkeit und Reisekomfort angeht.

Also wurde es letztendlich eine R1150GS. Und zwar absichtlich keine mit Integral-Bremssystem, bzwl. erst recht keine 1200er. Ich vertraue diesem Integral-Bremskraftverstärker-Pipapo-Geraffel einfach nicht, Punkt aus. Die klassische geteilte Bremse der 1150er mit ABS funktioniert wirklich hervorragend. Mehr ist da weniger.

Ansonsten kann ich bisher nur sehr Gutes von der GS berichten. Wie gesagt sehr gute Bremsen, ein geradezu herausragendes Fahrwerk mit dem ich gefühlt auf BMW R1150 GS engen Landstraßen schneller unterwegs bin, als mit der deutlich stärkeren aber eben auch störrischen SP-1 und der Motor ist, um mal eine alte Presse-Redewendung zu bemühen, ein echter Charakterdarsteller. Schön brummig und massiv Dampf von unten raus, ordentliche Mitte, aber oben rum geht ihm sehr schnell die Puste aus. Als (Öl-)Luftgekühlter typisch kommt dazu natürlich schöner Boxersound von unten und hinter den Zylindern werden die Füße nicht so schnell kalt. Die Ergonomie stimmt für mich Fast-Zwerg (178cm) nahezu perfekt, auch ohne tiefergelegte Sitzbank. Das war vor der Probefahrt eine einzige Sorge, die sich aber wie gesagt nicht bewahrheitete. Einzig das Windschild ist von der Luftführung noch verbessungsbedürftig und die Sitzbank ist langsam durchgesessen, aber dafür gibts es Zubehöranbieter, die sich dem bei Zeiten annehmen können.

Update vom 29.10.2009:

Das einzige was immernoch stört ist das übermäßig hohe Gewicht der Fuhre. Aber gibt es Alternativen? Soweit es mir bekannt ist gibt es nur Schwermetall in Form der großen Reiseenduros oder dann vielleicht noch die Umbauten von kleinen Enduros, wie zB. die leider nicht mehr gebaute KTM LC4 640 Adventure, die sich für Rallye Raids bestimmt gut eignen, mir aber bestimmt zu unbequem sein werden. Man sehe sich nur mal den Holzbalken an, den die Sitzbank schimpfen. Schade eigentlich, ich würde wetten, daß es einen gewaltigen Markt für kleine Reiseenduros geben würde, wenn man das richtig aufzieht. Die kleine Adventure mit einer Sitzbank, auf der man es auch 6 Stunden aushält – Where do I sign up? Obwohl wenn man sich die Gewichte ansieht, sind diese eigentlich auch nicht sooo viel leichter. Die kleine Adventure hat ein Leergewicht von 185 kg, das sind “nur” 40kg zu meiner GS. Ist das viel? Keine Ahnung..
Neu im Rennen ist inzwischen die Yamaha XT660Z Ténéré. Sie ist in fast allen Details der Adventure sehr ähnlich (Ein Zylinder, gut 50PS, 185kg leer, ordentliche Performance auf Straße und Gelände, ..), sieht allerdings deutlich gemütlicher aus: Die hätte ich früher sicher Probe gefahren. Jetzt ist es zu spät.