Schade
Ich zähle mich ja so lange ich denken kann und solange ich in irgendeiner Weise politische Meinung vertrete zum linken Lager. Das einzige was mich aus diesem Lager immer wieder aufregt sind die notorischen Nein-Sager und Hauptsache-Dagegen-Querulanten. (Korrigiere: Die Alles-Tod-Reder, die dann irgendwann, wenn Ihnen die Argumente ausgehen, mit Totschlagargumente wie “Mein Opa hat das Huhn erfunden, deswegen muß ich das ja wohl am Besten wissen: Das Ei ist eckig!” kommen regen mich auch auf. Aber um die soll es hier nicht gehen.)
Diese Klientel hat jetzt wieder zugeschlagen. Endlich bietet sich für Altona-Altstadt eine Chance aus der Wüste rund um das Frappant wieder einen belebten Stadtteil zu machen. Die einzige und vermutlich die letzte Chance war, dass ein großes Unternehmen das in privater Hand befindliche Frappant aufkauft um dort ein publikumswirksames großes Geschäft aufzieht und somit Menschen anzieht. Von diesem Publikum würde das gesamte Umfeld massiv profitieren. Nun, dieser Investor ist mit Ikea jetzt gefunden. Ikea möchte das Frappant abreißen und dort ein achtstöckiges (inkl. einem Tiefgeschoß) vollumfängliches Einrichtungshaus hochziehen; acht Stockwerke, weil natürlich für Parkplätze gesorgt werden muß. Das ist natürlich erstmal etwas größer als der Anwohner sich das gewünscht hätte, aber immernoch hundertmal besser als dieser scheiß tote Betonklotz vom Frappant!
Nun.. gestern war die öffentliche Anhörung, an denen die Pro- und die Kontra-Bürgerinitiativen sowie Anwohner und natürlich Ikea selbst teilnahmen. Ich bin selber Anwohner (wohne in der Ehrenbergstraße relativ nahe an der Altonaer Poststraße, also den sprichwörtlichen Steinwurf vom Frappant entfernt) und wäre auch gerne dabei gewesen.. leider mußte ich, wie jeden Mittwoch, sehr lange arbeiten und konnte es deshalb nicht einrichten. Ich habe die Veranstaltung via Twitter mitverfolgt, denn altonainfo, Altona_Watch und ring2 waren so nett live mitzutwittern.
Zu den neuen oder abweichenden Fakten (die Zahlen kommen mir allesamt etwas komisch vor… aber so wurde es getwittert):
- Ikea will in Altona 0.02% seines Jahresumsatzes in Deutschland investieren (70Mio Euro)
- Es sollen 250 Arbeitsplätze entstehen und es wird mit 3,3Mrd Euro Umsatz gerechnet
- In Spitzenzeiten (Samstag Nachmittag) wird 750 Autos/Stunde gerechnet. Die für die Berechnungen zum Verkehrsaufkommen/Emissionen/etc. beauftragte Firma ARGUS meint “das wäre kein Problem”
- Alle weitere Fakten auf den Seiten der beiden Initiativen (siehe oben)
Wenn man sich die gesamten geposteten Informationen nochmal durchliest komme ich zu folgendem Ergebnis: Argumente? Pustekuchen. Wie zu erwarten war, beschränkt sich die Kontra-Fraktion auf die Kritik an Ikeas Stil (obwohl sich die Gegner scheinbar weitaus unfreundlicher gaben und Sprüche wie “Döner statt Köttbular” meiner Meinung nach nicht unbedingt zu einer sachlichen Diskussion beitragen), den belegte Sachargumente gibt es ja nun mal eben nicht. Es gibt zB. keine Gegengutachten zur Verkehrssituation, sondern nur nebulöse Ängste. Und davon eine ganze Menge:
altona1893 Autobahnzubringer und Luxusmieten, geht’s noch ein wenig schriller, um Ängste vor #ikea in #altona zu schüren? z.B. was mit Kindern?
Inzwischen gibt es auch Zusammenfassungen von Altona Info, Ring2 und Hanno.
Meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich. Hier nehmen ein Haufen Querulanten einen ganzen Stadtteil in Geiselhaft und werden vermutlich sogar gewinnen. Denn Ikea hat bereits angekündigt sich das nicht antun zu wollen dieses Projekt gegen “die Anwohner” durch zuziehen. Verständlich. Und die sogenannten Volksparteien sind natürlich meinungsbefreit wie immer und freuen sich womöglich noch, daß Ihnen jegliche Entscheidung abgenommen wird und sie sich dabeiauch noch basisdemokratisch auf die Fahnen schreiben dürfen. Wie eine GAL-Sprecherin (Wer genau war bisher nicht herauszubekommen. Womöglich meine Erststimme Fr. Fegebank?) sagte: “Dieser Stadtteil ist dem Niedergang geweiht”. Danke. Wollte ich auch gerade sagen.
Update 090918-1032: Alle Achtung. Jetzt habe ich die Filme zur Bürgeranhörung auf altona.info angesehen und bin eigentlich auf genau das gestoßen was ich mir nach der bisherigen Berichterstattung schon gedacht hatte: Rumgebrülle, Gepöbel, persönliche Beleidigungen. Peinlich. Und nach allem was ich da sehen konnte war weder Ikea noch der Sachverständige unvorbereitet oder in irgendeiner Weise unsymphatisch.
Comments
8 Responses to “Schade”
Leave a Reply


Moin,
“Hier nehmen ein Haufen Querulanten einen ganzen Stadtteil in Geiselhaft und werden vermutlich sogar gewinnen.” .. tut mir leid, wenn das der Eindruck war, den meine tweets vermittelt haben. Es war nämlich andersherum.
Die Politik und IKEA haben so wenig Information abgesondert, dass die Anwohner zurecht wütend geworden sind.
Ich vermute ja eher, dass durch Wahlkampfpower und Verbandsmarketing die PRO-IKEA Volksentscheide gepusht werden sollen – dann kann man sich die Antworten nämlich auch danach sparen.
Nach der gestrigen Anhörung finde ich ja sowohl die Pro- als auch die Contra-Ikea-Partei doof. :-/
Echt schade – dass da jemand eine Veranstaltung beurteilt, bei der er nicht einmal gewesen ist.
Ich wohne übrigens auch in der Ehrenbergstr. – und wenn eines vorgestern klar geworden ist, dann, dass den Leuten von IKEA, dem Verkehrsgutachtern und leider auch unseren Bezirkspolitikern meine Sorgen und Bedenken als Anwohnerin vollkommen gleichgültig sind. Die Vertreter waren unvorbereitet und arrogant. Alles blieb nebulös. Konkrete Aussagen gab es kaum.
Die Bereitschaft, über einen IKEA ohne Möbelmitnahme (und damít Notwendigkeit des Transportes per Auto) nachzudenken, wurde von IKEA rundrum abgelehnt. Komisch, dass ein Großteil der IKEA-Befürworter, mit denen ich spreche, immer noch davon ausgeht, dass IKEA nur Kleinteile zum mitnehmen anbieten wird. Da hat die Pressepolitik doch wunderbar geklappt.
Anne, ich habe die Veranstaltung nicht beurteilt. Ich habe die mir vorliegenden Fakten beurteilt und darauf sogar explizit hingewiesen. Und nach Faktenlage sieht es nun mal so aus, dass ein Unternehmen aus privater Hand ein Grundstück kaufen will um dort etwas zu bauen und das ist erstmal Ihr gutes Recht sofern sie sich an das selbe halten. Und mir ist auch neu, dass sich eine Firma ein Geschäftsmodell von seiner Nachbarschaft aufzwingen lassen sollte.
Ansonsten habe ich versucht, nach durch belegten Fakten gestützte Gegenargumente zu finden und kein einziges gefunden. Statt dessen permanentes Gejammer, die seinen ja so arrogant und so unvorbereitet.. aber unvorbereitet ist die Kontra-Fraktion doch selber am meisten, oder wo sind die Argumente?
Also, ohne Frage sollte Ikea sich mit den Stadtplanern zusammensetzen müssen und sehr genau das Verkehrsproblem lösen. Ohne Frage sollte Ikea von der Baubehörde dazu gezwungen werden, die Außenfassade zumindest einigermaßen ins Stadtbild zu integrieren. Diese Punkte sind aber von Stadt/Bezirk/Baubehörden zu fordern und NICHT von Ikea. Natürlich ist denen Deine persönliche Befindlichkeit egal.. bist Du persönlich vom Aldi gefragt worden, ob das ok ist, dass die jetzt nur noch links-drehende Jogurts verkaufen? Man Leute.. werdet erwachsen. Das ist ein Wirtschaftsunternehmen und die wollen hier Profit machen und die werden hier nichts bauen, was nicht ausreichend davon abwirft.
Kouta, die Ikea-Gegner haben berechtigte Kritikpunkte, die sie auch gut begründen. Auch wenn ich Ikea in Altona begrüßen würde, finde ich es unmöglich, wie wenig bei der Anhörung diese Fragen der Anwohner beantwortet wurden.
Leider gehören zu den Gegnern aber auch zu einem guten Teil Krawallos, die das ganze mit einer Kapitalismus-Totalopposition verbinden und Diskussionskultur mit Geschrei verwechseln. Das vergiftet die ganze Diskussion dazu. Bei der Anhörung hatte ich ernsthafte Sorgen, dass es zu Prügeleien kommt.
Ich gebe zu, ich neige zur Unsachlichkeit und drücke mich selten politisch korrekt aus. Bitte um Verzeihung, wenn sich jemand persönlich angegriffen gefühlt hat. Das war nicht meine Absicht.
Nichts desto trotz… wo verdammt nochmal sind denn diese Argumente? Ich meine jenseits der bereits durch Gutachten als falsch belegten “Fakten” zur Verkehrssituation von kein-ikea-in-altona.de? Oder abseits der lächerlichen Versuche Ikea schlecht zu reden in denen man ihnen Steuertricks vorwirft.
“Durch Ikea gibts ganz viel Verkehr und dann leben wir hier im Dauerstau, aber gleichzeitig steigen alle Mieten in ungeahnte Höhen, weil alle so gerne im Stau wohnen. Und dann wird alles voll auf Luxus saniert. Und überhaupt sollte sich Ikea um die Künstler sorgen, denn schließlich ist das ja natürlich nicht die Verfehlung einer völlig verfehlten Kulturpolitik in dieser Sadt, was wiederum unmöglich daran liegen kann, daß hier einfach zu viele Idioten rechts-konservativ wählen.” *sigh*
Komisch, dass Menschen die sich als Links verstehen meinen sie müssten jetzt auch schon für Heuschrecken wie Ikea Werbung machen.
Da wird nicht mehr über die 140 Menschen gesprochen die aus dem Frappant vertrieben werden. DIe Pro Ikea Leute hatten doch vor Jahren gesagt, wenn die Busse hier wieder durchfahren dürfen geht es uns besser. Jetzt fahren die Busse durch und was ist – jetzt heist der Weihnachtsmann Ikea !
Was glaubt ihr denn was Ikea ist ? Eine Wohltätigkeitsveranstaltung ??
Und wo glaubt Ihr dass einer der Hauptagitatoren von Pro Ikea wohnt (Herr Sydow) – in Wandsbek am Hamburger Stadtrand – Genau Herr Sydow Ikea nach Altona, damit es in Wandsbek so Idyllisch bleibt.
[...] namens “Spongebob” hat gerade den Beitrag zu meinem Lieblingsaufregerthema “Ikea in Altona” kommentiert und dieser Kommentar [...]